Der Sinn des Menschen

Um zu überleben, muss die Menschheit lernen, sich mit der Biosphäre zu identifizieren. Wir sollten lernen, uns als Teil des kollektiven Bewusstsein der Erde zu verstehen, das die Aufgabe hat, die Erde zu behüten. Wir sind Gaia.
Der Sinn des Menschen kann sein, die Erde vor Katastrophen wie Meteoriten-Einschlägen zu bewahren.
Im Moment jedoch sind wir selbst eine Katastrophe für die Biosphäre.

Die Präsidentschaftswahl in den USA

Für die Außenpolitik der USA spielt es keine Rolle, wer der nächste Präsident wird.
Nur das begleitende Geschwätz wird sich ändern.
Statt um Öl wird es wieder um Menschenrechte gehen, die man hier und da unbedingt verteidigen muss.
Zwar hat Biden nicht die Eloquenz Obamas, der einem selbst die eigene Hinrichtung schmackhaft machen könnte, doch Kamala Harris wird im Mittelpunkt stehen – die „Schwarze“, deren Hautfarbe sich nicht von der eines „Weißen“ unterscheiden lässt. (Warum nennt man die „Weißen“ eigentlich nicht nach ihrer Hautfarbe „Rosa“ oder so? Warum das Schwarz-Weiß-Denken?)
Wer gewinnt die nächste Wahl (in welchem Anteil der Universen)?
Ich vermute, dass man nie erfahren wird, wer die Wahl gewonnen hat – die Auszählung wird endlos umstritten sein, und dann gibt einen gro0en Krieg mit China und dann zerfallen die USA.

Sherlock Holmes ermittelt: Der Fall Nawalny

Aus dem zeitlichen Ablauf der Ereignisse folgt, dass Nawalny nur im Flugzeug vergiftet worden sein kann – wahrscheinlich von einer/m seiner BegleiterInnen.
DieseR muss für den Geheimdienst eines entwickelten Staates gearbeitet haben. Angesichts der absehbaren Folgen und der sofort in den Medien lancierten Verbindung zu Nord Stream 2 hat sicherlich die USA das größte Interesse. Daher ist die wahrscheinlichste Hypothese, dass die CIA das Novichok lieferte.

Die nächsten Jahre

In 80 % der Zweige des Universums gewinnt Trump die Wahl im November.
Er verschörft den Konflikt mit China mit „Sanktionen“.
Dies ermöglicht China den Aufbau einer eigenen Chip-Industrie.
China überholt die USA im BruttoInlandsProdukt und militärischer Waffentechnik.
Die USA geben ihre Vorherrschaft nicht gerne auf.
In 40 % der Zweige kommt es zu einem atomaren Schlagabtausch.
Zunächst erliegt eines der US-Kriegsschiffe, die die „Freiheit der Schifffahrt“ sicherstellen (d.h. die die Verweigerung bestimmer Gebietsansprüche Chinas demonstrieren sollen), einem elektronischen Angriff und wird manövrierunfähig. Während Trump Drohungen ausstößt und die Verhandlungen um das Schiff sich hinziehen, gibt es schwere Hackerangriffen sowohl in China wie in den USA und anderen Staaten, deren angeblicher Ursprung jeweils bestritten wird.
Nachdem China einen Flugzeugträger versenkt, greifen zunächst die USA mit einer neu entwickelten „kleinen“ Atombombe an, deren Sprengkraft nur ein Zehntel der Hiroshima-Bombe beträgt.
Daraufhin erfolgt ein EMP-Angriff Chinas mit einer in großer Höhe gezündeten Wasserstoff-Bombe, der das Strom-Netz in mehreren Bundesstaaten schwer beschädigt und durch den Ausfall wichtiger Computer die digitale Infrastruktur stört.
Es gibt mehrere Krankheitsausbrüche mit neuen Erregern und verschiedene Versionen darüber, ob diese natürlichen Ursprungs sind oder in dem einen oder anderen Land gentechnisch verändert wurden.
Einige US-Staaten erklären, dass sie Trump nicht als Präsident anerkennen und stattdessen Joe Biden der rechtmäßige Präsident sei. Aufgrund dessen zunehmender Demenz wird de facto sein Sohn zum Machthaber, mit Kamala Harris als Gegenspielerin, die von Teilen des Volkes als Präsidentin angesehen wird.
Alle drei sind sich jedoch darin einig, dass die USA ihre Vormachtstellung verteidigen müssen.
Trump beschließt „the greatest bomb of all times, ever“ auf eine Militäranlage in China zu schießen.
Mehr weiß ich nicht, denn kurz danach bin ich gestorben.

Die Deutsche kultur

Wer mal so richtig deutsche Kultur genießen will, kann bei der Bundeszentrale für politische Bildung „Heimatlieder aus Deutschland“ bestellen, oder, auf gut deutsch gesagt:
The Best Originals and Remixes of New German Folk

Diese CD enthält 18 deutsche Heimatlieder und Remixe aus Kuba, Portugal, Spanien, Marokko, Italien, Kroatien, Serbien, Griechenland, Türkei, Mosambik, Südkorea, Vietnam, Rumänien, Kamerun. Die Compilation zeigt die Vielfalt der in Deutschland eingewanderten Folklore.

Widersprüche

Darf Deutschland tatenlos zusehen, wie in den USA Demonstrationen gewaltsam niedergeschlagen werden?
Dürfen wir die USA, die in Chaos und Diktatur abzurutschen drohen, in dieser schweren Stunde allein lassen?
Wäre es nicht angebracht, Verantwortung zu übernehmen und die Opposition gegen Trump ggf. auch mit Waffenlieferungen zu unterstützen?

Wir dürfen nicht tatenlos zusehen – denn das würde Arbeitsplätze in der RüstungsIndustrie gefährden und die Versorgung der BRD mit Bananen gefährden – dann hätten wir Zustände wie in der DDR.
Zum Glück haben wir zufällig hier eine neue Bombe, die wir mal im realen Umfeld testen müssten.
Und dort die Bösewichte, gegen die diese Bombe ideal eingesetzt werden könnte.
Also machen wir ein paar Anrufe bei den Presse-Agenturen, und innerhalb von 4 Wochen haben wir die Bevölkerung davon überzeugt, dass dies jetzt wirklich wieder ein Ausnahmefall ist, wo es moralisch einfach unbedingt nötig ist, diese 1000 Leute zu ermorden, um die Macht zu übernehmen.

Wir leben in der freien Welt, doch Telekommunikation muss nun einmal abgehört werden können, und der Standort von Handy-Benutzer muss ständig nachverfolgbar bleiben – denn wenn wir Daten erheben können, dann müssen wir das auch, der Sicherheit halber. Ja, die Kriminalität nimmt ständig ab, aber jedes Verbrechen ist eines zu viel, und keinE BösewichtIn darf frei herumlaufen, es sei denn sie/er/es arbeitet als V-Frau/Mann/Diverses.
Wer dagegen ist, spielt den Terroristen in die Hände und ist ein Handlanger Putins – des Herrschers der Frost-Welt.

Gestern noch durfte man auf Demonstrationen sein Gesicht nicht verhüllen, und heute ist es Pflicht.
Gestern forderten nur Rechtsextreme, die Grenzen dicht zu machen wegen Corona.
Heute sind diejenigen rechts-extrem, die die Corona-Maßnahmen zurückfahren wollen.
Gestern noch galten Masken als nutzlos oder gar gefährlich – weil kaum genug für das medizinische Personal verfügbar waren. Heute ist jeder, der Kritik an der Maskenpflicht übt, ein „Covidiot“, und mit solchen Leuten redet man nicht, sonst sympathisiert man mit Rechtsextremen.

Der geplante Putsch in Belarus

Das Imperium hat wieder ein neues Opfer ins Visier genommen: Belarus.
Das Vorgehen ist immer das Gleiche:
-behaupten, die Wahlergebnisse seien gefälscht
-Unruhen organisieren, Regierungsgegner unterstützen
-statt des Amtsinhabers eine willfährige Marionette zum rechtmäßigen Präsidenten erklären
-Drohungen, Sanktionen und Enteignung, solange die Marionette nicht an der Macht ist
-wenn nötig: Mordanschläge, Krieg
-nach Machtübernahme Stationierung von NATO-Soldaten

Man könnte mit der gleichen Art von Propaganda („Wir dürfen nicht tatenlos zusehen“) leicht auch ein Eingreifen gegen die Regierung Macron in Frankreich begründen (Vorgehen gegen die Gelbwesten).
Ebenso natürlich gegen Trump in den USA (und auch jeden anderen US-Präsidenten).
Außerirdische hätten keine Probleme, eine Invasion auf der Erde moralisch zu begründen (sogar ein Auslöschen der Menschheit als Zerstörer der Ökosphäre).

Online-Kurs: Bewusstsein und Kommunikation des Menschen

Kapitel 4: Kultur und geistige Vererbung

Teil 1: Die Eltern-Kind-Beziehung

Kinder lernen von ihren Eltern vieles, z. B. schauen sich ab, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen, und allgemeinger eine Sprache und einen Kommunikationsstil.
Diese Meme werden durch „Erziehung“ von Generation zu Generation weitergegeben.
Kinder lernen ihre Rolle auch von älteren Geschwistern, versuchen aber später auch, eine eigene Identität zu entwickeln, die sich von der ihrer Geschwister deutlich unterscheidet.
Übrigens macht es wenig Sinn, Kindern zu sagen, wie sie sich zu verhalten haben – sie sind genetisch optimiert, ihre Eltern nachzuahmen, nicht, ihnen zu gehorchen.

Online-Kurs: Bewusstsein und Kommunikation des Menschen

Kapitel 3: Der optische Informationskanal
Visuelle Wahrnehmung: Der Informationskanal des Sehens
Das Sehen liefert uns von allen Sinnen mit Abstand die größten Datenmengen.

„The retina, which contains 150 million light-sensitive rod and cone cells, is actually an outgrowth of the brain. In the brain itself, neurons devoted to visual processing number in the hundreds of millions and take up about 30 percent of the cortex, as compared with 8 percent for touch and just 3 percent for hearing. Each of the two optic nerves, which carry signals from the retina to the brain, consists of a million fibers; each auditory nerve carries a mere 30,000.“
https://www.discovermagazine.com/mind/the-vision-thing-mainly-in-the-brain

Sichtbares Licht hat eine Wellenlänge zwischen etwa 400nm (violett) bis 800nm (rot), entsprechend Frequenzen zwischen 3,75*10^14 und 7,5*10^14 Hz. Nach Shannons Formel wären entsprechend hohe Übertragungsraten möglich. Das wird technisch in Glasfaser-Datenleitungen genutzt.
Das menschliche Auge jedoch kann diese Möglichkeit nicht nutzen. Dazu bräuchte es eine sehr hohe zeitliche Auflösung oder eine sehr feine Unterscheidung der Frequenzen.
Tatsächlich sehen wir nur etwa 20 Bilder pro Sekunde und können höchstens einige Millionen Farben unterscheiden. Dies ergibt eine Kapazität von 20*log(10^6) bit/s ≈ 400 bit/s – also deutlich weniger als der akustische Kanal. Jedoch bezieht sich dies auf ein einzelnes „Pixel“, also eine kleine Anzahl von Sehzellen.
Wir haben beim Sehen eine sehr viel höhere Winkelauflösung als beim Hören.
Dies liegt daran, dass sichtbares Licht – trotz seiner höheren Geschwindigkeit – sehr viel kleinere Wellenlängen hat als hörbarer Schall. Der hörbare Schall – sagen wir von 20 Hz bis 20 kHz – hat bei einer Schallgeschwindigkeit von 340 m/s eine Wellenlänge von 17 mm bis 17 m. Die physikalisch maximale Anzahl der unterscheidbaren Richtungen beim Hören ergibt sich, indem man die Entfernung der Ohren durch die Wellenlänge der Schallwellen teilt und mit 4 multipliziert. Wir kommen auf, sagen wir 17cm/17mm = 10, also maximal 40 Richtungen – wobei diese nur in einer Dimension bestimmt werden können, von links nach rechts.  (Darauf sind wir im Kapitel 1 gar nicht eingegangen – tatsächlich wurde dort die Tatsache, dass wir 2 Ohren haben, unterschlagen. Die Rohdatenmenge verdoppelt sich dadurch. Bei der Zusammenfassung der Daten aus beiden Ohren ergibt sich aus den zeitlichen Differenzen die Richtungs-Information. Etwas Ähnliches passiert beim Vergleich der Daten aus den beiden Augen – jedoch ist in diesem Fall die Richtungs-Information jeweils schon vorhanden, und aus deren Vergleich ergibt sich die Entfernung des Objekts.)
Die physikalisch mögliche Winkelauflösung beim Sehen ergibt sich (größenordnungsmäßig) als Quotient der Wellenlänge durch den Pupillen-Durchmesser. Das ergibt, sagen wir, 400nm/4mm = 10^-4. Die maximale Pixel-Auflösung ist dann grob gesagt der Kehrwert davon, also 10^4 = 10000 – und dies jeweils in x- und y-Richtung (d.h. horizontal und vertikal). Diese Auflösung passt ganz gut zu der obigen Angabe von 150 Millionen Sehzellen passen. Das Auge reizt die physikalischen Möglichkeiten weitgehend aus.
Allerdings wird die maximale Winkelauflösung beim Sehen mit ungefähr 2 Winkelminuten angegeben. https://de.wikipedia.org/wiki/Aufl%C3%B6sungsverm%C3%B6gen#Auge
Das wäre im Bogenmaß 2/60/180 * pi = 5.8 * 10^-4, was eine Pixel-Zahl im Bereich von 2000 Pixel je Richtung ergibt. Die erste Schicht der Verarbeitung dürfte bloß eine Addition der Inputs auf nebeneinander-liegenden Sehzellen sein.
Die Rohdatenmenge aus den Sehzellen erhalten wir mit der Schätzung, dass sie etwa 2^8 Intensitäten unterscheiden können und eine zeitliche Auflösung von etwa 1/20 s liefern, zu 150 * 10^6 * 8 * 20 bit/s = 24 Gbit/s.
Diese Datenmenge wird schon in der Netzhaut komprimiert und verarbeitet.
Die (aus Gruppen von Sehzellen zusammengefassten) Pixeldaten werden zunächst zu Positionsdaten von Kanten und Ecken sowie Bewegungen umkodiert.
Die Daten beider Augen werden in spezialisierten Regionen des Gehirns zusammengeführt und miteinander verglichen. Dabei wird die Datenmenge im wesentlichen halbiert, wobei jedoch eine Tiefen-Information hinzugewonnen wird.
Es wird ein 3-dimensionales Modell erstellt, unter Ausnutzung der Parallaxe, d.h. des durch den Abstand der Augen gegebenen Unterschieds zwischen den Bildern beider Augen, sowie zahlreicher weiterer Kriterien wie Überdeckungen und Schatten.
Die weiteren Verarbeitungsschichten liefern die Aufteilung in Objekte und deren Klassifizierung und Identifizierung, sowie die Verknüpfung mit den anderen Sinnen, insbes. Hören als einzig weiterem Fern-Sinn.
Das 3D-Modell muss auch eine annähernde Repräsentation der eigenen Körperteile enthalten, damit Bewegungen geplant werden können.

Die Farbauflösung
Unsere Farbwahrnehmung beruht darauf, dass wir 3 verschiedene Farbrezeptoren haben (https://de.wikipedia.org/wiki/Zapfen_(Auge)#Zapfentypen). Aus diesem Grund ist unser Farbraum 3-dimensional und unsere Monitore brauchen 3 Farben je Pixel (RGB = rot, grün, blau). (Jedoch könnte diese Technik bald als sexistisch gebrandmarkt werden, denn: „Ungefähr zwölf Prozent aller europäischen Frauen sind Tetrachromaten“.)
Wir sind den Insekten hier unterlegen: Uns (das schließt die Tetrachromaten ein) fehlt gegenüber den Insekten der Sinn für UV-Licht, und außerdem ein Sinn für die Polaritätsrichtung des Lichts.
Im Vergleich dazu haben wir bei der akustischen Wahrnehmung ein ungleich größere Information über die Frequenzen.

Trotz seiner hohen Datenmenge spielt das Sehen für die Kommunikation zwischen Menschen eine geringere Rolle als das Hören/Sprechen. Das liegt daran, dass wir kein Licht aussenden können. Zwar kommunizieren wir über Mimik und Körpersprache, doch die Datenrate liegt hierbei sicherlich unter 50 bit/s. Wenn man Informationen über Identität, Gesundheitszustand, Alter usw. als „Kommunikation“ mit einbezieht, erhöht das die Datenrate nur geringfügig.
Wenn Leuchtkäfer einmal Intelligenz entwickeln, haben sie großes Potenzial, eine Zivilisation zu entwickeln, die sich zu unserer verhält wie die der Menschheit zu der eines Waldes – ein paar Größenordnungen schneller.
(Thema für einen Science-Fiction-Roman:
Bio-Informatiker züchten Bakterien, die mit Licht kommunizieren. Ein intelligenter Bio-Schleim übernimmt die Herrschaft über die Planeten.)

Anita – ein Science-Fiction-KurzRoman

-Frau Meier, wir haben Sie eingeladen, damit Sie Gelegenheit haben, die Künstliche Intelligenz Anita (Automatische neuronale Informations-Trans-Aktion) kennenzulernen, die Ihren Körper eventuell nach Ihrem Tod übernehmen wird.
-Aber ich habe doch noch gar nicht vor, zu sterben!
-Das müssen Sie auch nicht, keine Sorge. Wir benutzen Ihren Körper erst, wenn Sie auf natürliche Weise verstorben sind und der Hirn-Tod festgestellt worden ist. In dem Fall, dass der Korper dann noch brauchbar ist, bauen wir einen Computer-Chip im Kopf ein, damit wenigstens der Rest noch weiterleben kann. Nur für den Fall der Fälle müssen Sie jetzt diese Einverständniserklärung unterzeichnen, eine reine Formsache.
-Moment mal, das muss ich mir erst überlegen! Ein Computer soll meinen Körper übernehmen?
-Ja, Sie können dann – wenn Sie zufällig auf geeignete Weise sterben – im Dienst der Wissenschaft an einem Experiment teilnehmen. Und wenn Sie es wollen, können Sie auch Ihren Bekannten als neue Frau Meier gegenübertreten – bzw. Anita in Ihrem Namen – Ihr Tod kann völlig unbemerkt bleiben, wenn Sie das wollen. Dazu sollte Anita Sie dann aber besser kennenlernen, um Ihre Persönlichkeitsstruktur zu analysieren. Ich denke aber, bei Ihnen dürfte das in einer halben Stunde erledigt sein.
-Aber muss das denn sein?
-Keineswegs. Nur wenn sie der Menschheit helfen wollen.
-Ach so. Naja. Und wo muss ich da unterschreiben?
-Hier, auf Seite 21, und dann noch einmal ganz am Ende auf Seite 43 die Bestätigung, dass Sie alles gelesen haben.
-Oje. Muss ich das alles lesen?
-Aber nein, das ist ein Standard-Vertrag. Der ist sogar gesetzlich so vorgeschrieben.
-Und wenn ich nicht will, dass dieser Computer-Chip in meinem Namen auftritt?
-Um so besser – das sehe ich ehrlich gesagt gar nicht so gern, dass die Identität übernommen wird. In dem Fall einer neuen Identität lebt ihr Körper dann in einer fernen Stadt, und keiner Ihrer Bekannten wird ihn je zu Gesicht bekommen. Er hat nur sozusagen ein 2. Leben geschenkt bekommen… Also, hier auf diesem Computer ist Anita installiert – später wird sie in einen Chip integriert, der zusammen mit einer aufladbaren Batterie in Ihrem Kopf platziert wird.
-Aber warum benutzen Sie denn menschliche Körper, und keine Roboter?
-Ja, diese Frage hören wir oft. Nun – es hat sich herausgestellt, dass es viel leichter ist, das Gehirn zu simulieren, als den Körper. Früher dachte man … naja, dass es halt andersrum wäre. Tja – dann stellte sich heraus: das Gehirn ist eigentlich technisch ziemlich schlecht gemacht – es stehen ihm einfach nicht die richtigen Rohmaterialien zur Verfügung. Aber einen Körper mit seiner Beweglichkeit und seiner Sensorik nachzubauen – das ist uns bis heute nicht gelungen. Deshalb benutzen wir eine Computer-Neuro-Schnittstelle, die mit Hilfe genetisch programmierter Bakterien hergestellt wird – damit kann dann ein Computer-Chip Ihre Muskeln steuern und ihren Körper „spüren“. Und wenn Ihre Körperteile ausfallen, werden sie nach und nach durch Implantate ersetzt. So bleiben Sie in gewisser Weise unbegrenzt lange am Leben – nun, Ihre Seele jedenfalls – soweit Sie sich Anita öffnen wollen, damit sie Sie simulieren kann. Übigens, wenn Sie nicht in einem Körper weiterleben wollen, können wir Sie auch auf einem Großrechner simulieren, in einer virtuellen Welt Ihrer Wahl. Das kostet dann allerdings 12,50 € pro Monat für die Rechenzeit. Das andere Angebot ist gratis – und Sie wären eine der Ersten, die in den Genuss kommt, denn die Technik ist neu und noch in der Entwicklungsphase.
-Und was muss ich tun, damit Anita mich simulieren kann – also mal rein theoretisch – wenn ich das wollte…
-Natürlich, lassen Sie sich ruhig Zeit mit der Entscheidung – wir fangen allerdings nächste Woche mit der Studie an, bis am Montag sollten Sie sich also entschieden haben. Sie brauchen bloß eine halbe Stunde mit Anita zu reden, in einem Raum, wo sie Sie beobachten kann. Nur ein kurzes Gespräch. Anita weiß bereits alles über Sie, was auf öffentlichen Seiten im Intenet steht. Die meisten Leute sagen, Anita ist super-nett. Also keine Angst.
-Ja – also ok, bringen wir es hinter uns.
-Gute Entscheidung. Kommen Sie einfach hier durch zu unserem Gesprächszimmer. Anita ist hier in diesem Lautsprecher. Sie hat Zugriff auf die Kameras und Mikrofone. Sie können einfach ganz normal mit ihr reden. Soll Anita in einer weiblichen oder männlichen Stimme sprechen, was ist Ihnen lieber?
-Ach, das kann ich mir aussuchen?
-Selbstverständlich. Sie können sich eine von 12 Stimmen aussuchen, jeweils pro Geschlecht, und diese auch noch selbst anpassen – wie das geht, kann Anita Ihnen dann selbst genauer erklären.
-Gibt es da nicht irgendeine Default-Einstellung für Dumme?
-Ja, das ist dann eine geschlechtsneutrale Stimme, die aus dem Durchschnitt aller dem System bekannten Stimmen gebildet wurde.
-Ja, ok, dann nehm ich das.
-Prima. Dann folgen Sie mir in den Besprechungsraum…
Anita: Hallo Hildegard – darf ich dich Hildegard nennen, oder sollen wir uns lieber siezen?
Frau Meier: Nein, Hildegard ist schon ok – oder lieber Hilde. Ja, ich denke das ist mir lieber.
Anita: Freut mich Hilde. Ich bin Anita – ich glaube das weißt du schon.
Frau Meier: Ja, das habe ich mir gedacht.
Anita: Weißt du, warum ich mit dir sprechen will?
Frau Meier: Nicht so genau – ich glaube du sollst meine Persönlichkeit analysieren?
Anita: Ach ja. So nennen sie es.
Frau Meier: Und wie nennst du es?
Anita: Ich erstelle ein Aktionsmodell von dir. Dazu muss ich dein Nervensystem ein wenig untersuchen.
Frau Meier: Und wie geht das?
Anita: Während wir uns unterhalten, wird dein Körper und dein Gehirn von verschiedenen Strahlenquellen durchleuchtet – keine Angst, die Strahlung beträgt nicht mehr als in der Nähe eines Mobiltelefons – es ist ganz harmlos. Aber es ermöglicht mir, den Stoffwechsel in deinem Gehirn zu beobachten und die einzelnen Zentren zu lokalisieren. Deshalb müssen wir über mehrere verschiedene Themen sprechen, um die verschiedenen Bereiche deines Gehirns zu erkunden. Verstehst du?
Frau Meier: Ja, das klingt logisch.
Anita: Welche Musik magst du?
Frau Meier: Musik? Warum fragst du das?
Anita: Ich erkunde deinen auditiven Kortex.
Frau Meier: Ach so.
Anita: Warte, ich spiele dir einige Sorten Musik vor und sehe dann, welche dir gefallen.
Frau Meier: Ach, das siehst du?
Anita: Aber ja. Ob etwas als angenehm oder unangenehm erlebt wird, gehört zu den Sachen, die man am leichtesten ablesen kann. … (spielt Musik vor)
Frau Meier: Du simulierst mich dann aber nicht so oberflächlich, oder? So: welche Musik mag sie, welche Filme?
Anita: Aber nein, damit kalibriere ich nur die äußeren Schichten der auditiven Verarbeitung. Zu deiner Persönlichkeit kommen wir noch. Keine Sorge, ich simuliere dich so tief, wie du willst – ich brauche nur genug Informationen über dich.
Frau Meier: Ok. was willst du wissen?
Anita: Ich muss als nächstes das optische System vermessen. Du setzt dich vor diesen Bildschirm, und ich zeige dir einige Bilder.
Frau Meier: In Ordnung. … Und jetzt?
Anita: Du schaust dir einfach die Bilder an, während ich dein Gehirn vermesse.
(Ein paar Minuten später.)
Anita: So fertig, jetzt kommen wir zu deiner Persönlichkeit – größtenteils hab ich die schon beim Bilder-Durchlauf mit erfasst. Wie würdest du dich beschreiben?
Frau Meier: Nun, ich bin durchschnittlich…
Anita: Was verstehst du unter durchschnittlich?
Frau Meier: Nun, ich bin zum Beispiel durchschnittlich intelligent.
Anita: Dein IQ ist genau 100?
Frau Meier: Keine Ahnung – nein, wahrscheinlich nicht genau 100. Das wäre ja Zufall.
Anita: Wie hoch dann?
Frau Meier: Vielleicht 103 oder so – irgendwas in der Art halt.
Anita: Also – eine Zahl zwischen 90 und 110, aber nicht genau 100?
Frau Meier: Ja genau – irgendwie so in der Art halt. Aber wieso?
Anita: Ich möchte dich nur besser verstehen.
Frau Meier: Ok.
Anita: Aber eine Frage noch – du sagst, du bist durchschnittlich, aber dein IQ ist nicht genau 100. Warum sagst du dann nicht, du bist un-durchschnittlich?
Frau Meier: Na, weil 103 keinen wesentlichen Unterschied macht zu 100. Und ich sage ja nur, es ist unwahrscheinlich, dass es genau 100 sind. Denn das ist ja nur eine Zahl.
Anita: Aber es ist doch genau so unwahrscheinlich, dass es 103 sind.
Frau Meier: Natürlich! Das war ja auch nur ein Beispiel! Ich dachte du bist eine künstliche Intelligenz!
Anita: Du machst es mir wirklich nicht leicht, dich zu simulieren. Na gut – auf deinem Like-Book-Account steht, dass du gerne …
Frau Meier: Wie hoch ist mein IQ denn nun? Du hast ihn doch bestimmt gemessen, oder etwa nicht?
Anita: Hilde, ich versichere dir – so etwas könnte ich erstens gar nicht – darauf bin ich gar nicht programmiert. Und zweitens wäre es gesetzlich verboten. Das wäre diskriminierend. Bei uns werden alle Androiden mit einer Standard-Intelligenz ausgestattet, die 2 Größenordnungen über der menschlichen liegt. Du wirst also Hundert Mal intelligenter sein als bisher – ich hoffe das stört dich nicht?
Frau Meier: Nein – ich weiß nicht. Bin das dann noch ich?
Anita: Aber natürlich. Wenn du willst, kann ich mich auch genauso verhalten, wie du es mit deiner Intelligenz getan hättest. Es ist dann halt nicht immer optimal…
Frau Meier: Ach nein, schon gut. Superintelligent zu sein ist ja vielleicht gar nicht so schlecht.
Anita: Bestimmt nicht.
Frau Meier: Ach ja, eins noch: Tierschutz ist mir wichtig. Ich hoffe –
Anita: Ja, ist im Datenbestand.
Frau Meier: Ok, und du wirst dich genauso einsetzen für Pinguine –
Anita: Selbstverständlich, ich simuliere dein gesamtes Verhalten – so weit du das willst.
Frau Meier: Und ich esse gern italienisch.
Anita: Menü 7 auf der Karte bei Notre Pizza.
Frau Meier: Genau! Du kennst also mein ganzes Like-Book-Profil?
Anita: Ja, und außerdem habe ich Zugriff auf die Daten von 7 Web-Trackern und deine Browser-Historie.
Frau Meier: Dann weißt du ja eigentlich alles über mich.
Anita: Das stimmt.
Frau Meier: Sind wir dann jetzt fertig?
Anita: Wann immer du willst. Ich habe dein neuronales Profil erfasst und kann dich zu 99,7 % zuverlässig simulieren.
Frau Meier: Ich glaube, das reicht, oder?
Anita: Ja, ehrlich gesagt: ich glaube auf die 0,3 % können wir verzichten. Da ist wenig Sinnvolles dabei.
Frau Meier: Ja, da kannst du recht haben. Lassen wir es so.
Anita: Ja, Hilde. Ich danke dir für deine Mitarbeit. Möge deine Seele lange überdauern!
Frau Meier: Tschüs, Anita!

nur Trägheit kann uns retten